NARRATE – Narrative Ansätze für Fachkräfte, die Menschen auf dem Autismus-Spektrum auf ihrem Weg in die Arbeitswelt unterstützen, sind aus dem wachsenden Bedarf an arbeitsmarktorientierten Serviceleistungen für Menschen im Autismus-Spektrum (PoAS) entstanden, der von (Berufsbildungs-)Fachkräften, die mit dieser Personengruppe arbeiten, wahrgenommen wird. Es gibt hinreichend Belege für die potenziellen Vorteile, die Unternehmen durch die Einstellung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (PoAS) haben, da diese oft Vertrauenswürdigkeit, Zuverlässigkeit, Detailgenauigkeit und eine starke Konzentration zeigen, was zu einer höheren Arbeitsleistung führt. Dennoch ist die Schnittstelle zur Arbeitswelt noch nicht gut abgedeckt: Arbeitslosigkeit und ihre Folgen (z. B. unzureichendes Einkommen, geringe Selbstachtung, geringe Unabhängigkeit junger Erwachsener von ihren Eltern und im schlimmsten Fall soziale Entfremdung und Verarmung) beeinträchtigen das Leben erwachsener PoAS.
Obwohl der Bereich der beruflichen Bildung eigentlich darauf abzielt, Menschen mit den auf dem Arbeitsmarkt erforderlichen Kenntnissen und Fähigkeiten auszustatten, fehlen oft die Mittel, um sowohl PoAS bei der Bewältigung der Arbeitswelt als auch Unternehmen bei der Einstellung und Integration von PoAS in ihr Umfeld besser zu unterstützen.
Einer der Gründe könnte die vorherrschende Darstellung von Autismus sein, die ihn als neurobiologische Entwicklungsstörung betrachtet. Ein solcher Rahmen ist von Natur aus negativ, da er Defizite und Schweregrade betont und die Stärken, Kompetenzen und Fähigkeiten des einzelnen PoAS kaum berücksichtigt.
Aufgrund dieser Annahme:
-neigen PoAS dazu, sich selbst als Menschen mit einem Defizit zu sehen, und sind es nicht gewohnt, auf ihre Stärken, Kompetenzen und Fähigkeiten zu achten. Dies wirkt sich auch negativ auf ihre Herangehensweise an die Arbeit aus.
– versuchen Fachkräfte, PoAS bei der Bewältigung der „Beeinträchtigung“ zu helfen, die sie aufgrund ihrer Erkrankung haben sollen.
– neigen Unternehmen dazu, die Beschäftigung von PoAS als einen schwierigen Prozess zu betrachten, da sie befürchten, dass sie ihr Arbeitsumfeld stark verändern müssen, um einzelne oder mehrere Mitarbeiter:innen mit einer vermeintlichen psychischen Störung zu integrieren, was zu Problemen mit den Kolleg:innen und in Bezug auf die Arbeitseffizienz führen könnte.
NARRATE beabsichtigt, dieses vorherrschende Narrativ über Autismus neu zu bewerten, um Fachleuten einen theoretischen und praktischen Ansatz zu bieten, der ihnen dabei hilft, PoAS beim Eintritt in den Arbeitsmarkt zu unterstützen und Unternehmen zu gewinnen und zu unterstützen, die PoAS (gerne) beschäftigen. Wir werden ein Trainingsprogramm entwickeln, das sich an beide Seiten (Unternehmen und PoAS) richtet und auf narrativen Ansätzen basiert. Solche Ansätze legen nahe, dass Autismus als eine alternative Art des Seins verstanden werden kann, mit einem anderen Rhythmus, Tempo und anderen Arten der Entschlüsselung (Interpretation) der Welt. Menschen im Autismus-Spektrum können dann als Menschen mit Stärken und Schwächen auf sozialer, kommunikativer und sensorischer Ebene betrachtet werden und nicht als Menschen mit einer psychischen Störung.
Die Anwendung dieser Erzählweise – dieses Narrativs – eröffnet neue Möglichkeiten, Menschen im Autismus-Spektrum bei der Interaktion mit der Arbeitswelt und Unternehmen, die mit Menschen im Autismus-Spektrum zu tun haben, zu unterstützen, da sie hervorhebt, dass Menschen im Autismus-Spektrum Stärken und Fähigkeiten haben, die für die Arbeitswelt gefördert werden können und einen Mehrwert für das Umfeld von Unternehmen darstellen können.